Der Norden – Evaluationsphase

Im Norden mit klarem Verstand reflektieren!

Qualitäten des NordensVom tatkräftigen Handeln im Westen führt nun der Weg durch das Medizinrad in den Norden. Dort liegt die Kraft der Ruhe und der Reflexion. So sind dem Norden der Winter, die Nacht und die Lebensphase der Älteren zugeordnet. Der Wahrnehmungsaspekt und die Perspektive ist der Kopfbereich bzw. die mentale Ebene. Das dazugehörige Element ist die Luft, die daran erinnert, wie hilfreich es sein kann, die Dinge mit Distanz aus der Vogelperspektive zu betrachten.

Im Projektmanagement befindet sich im Norden die Evaluationsphase. Im Projektverlauf findet sich die Kraft des Nordens auf mehreren Ebenen. Zum einen repräsentiert der Norden das Projektende und den Projektabschluss. Hier geht es darum, Ergebnisse zu evaluieren, Erfahrungen in Anschlussprojekte oder Regeltätigkeiten zu integrieren, aber auch Projekte abzuschließen, Abschied zu nehmen und diesen angemessen zu gestalten. Die vorherrschende Haltung ist das „Reflektieren“: Was ist erreicht worden? Welche Schwierigkeiten sind im Verlauf aufgetreten? Was hat sich bewährt? Was hat das Projekt verändert? Welche Erfahrungen finden Eingang in weitere Planungen? Der Norden steht aber auch für die Reflexionsphasen während des Projektverlaufs, um den Prozess, die Ziele, die Ergebnisse zu überprüfen und ggf. Korrekturen an der inhaltlichen Ausrichtung oder den Rahmenbedingungen vorzunehmen. Dazu gehört auch eine regelmäßige Reflexion der Zusammenarbeit im Team.

Der Norden lehrt, wie wichtig es ist, in den komplexen Entwicklungsprozessen von Projekten den Überblick zu behalten. Besonders hilfreich ist hier der sachliche Verstand der mentalen Ebene. Gerade in der aktiven Umsetzungsphase sind dafür regelmäßige „Haltestellen“ im Norden besonders empfehlenswert. Die natürlichen Kreisläufe des Winters und der Nacht erinnern auch daran, dass in der Projektentwicklung Ruhephasen nötig sind. Dinge müssen sich setzen und neue kreative Kraft schöpfen können. Auch die Akteure in den oftmals sehr dynamischen Projektverläufen brauchen solche Phasen der Erholung. Ansonsten brennen sowohl die Projektmitarbeiter/innen als auch die Projekte von innen aus. Dies gilt auch nach dem Abschluss eines Projektes. Wird der Reflexion und Evaluation zu wenig Zeit eingeräumt, gehen wichtige Erfahrungen verloren, die für eine nachhaltige Absicherung und Entwicklung des Arbeitsfeldes erforderlich sind. In der Praxis zeigt sich, dass die Evaluationsphase im Norden die Himmelsrichtung ist, die am Häufigsten im Projektmanagement vernachlässigt wird. Umgekehrt zeigt sich eine Überbetonung des Nordens beispielsweise darin, dass das Projekt zu „verkopft“ ist und ihm das Herz fehlt. Dann bietet der Süden wertvolle Impulse.

Mit dem Norden schließt sich der Kreis durch das Medizinrad. Doch der Kreislauf ist deshalb nicht zu Ende. Die Natur erholt sich lediglich in den Wintermonaten, um dann mit neuer Kraft im Frühling des Ostens, neue Knospen und stärkere Triebe und wachsen zu lassen. Genauso verhält es sich mit Projekten. Werden die Erfahrungen und Ergebnisse in Ruhe ausgewertet und gesichert, können daraus bei einer weiteren Runde im Osten neue oder weiterführende Visionen entwickelt werden.